Prof. Dr.-Ing. e.h. Dipl.-Ing.

Henrich FOCKE

geb. 8. Oktober 1890
gest. 25. Februar 1979

Fockes Jugend fiel in die Frühzeit der Fliegerei. Bereits 1908, fünf Jahre nach dem Erstflug der Gebrüder Wright, machte er erste “Sprünge” mit einem selbstgebauten Gleiter am Ufer der Weser in Bremen. Im gleichen Jahr begann er an der Hochschule in Hannover das Studium des Maschinenbaus. 1924 gründete er die Focke-Wulf Flugzeugwerke und konstruierte diverse Klein- und auch Verkehrsflugzeuge. 1933 schied er aus der Geschäftsführung aus und konzentrierte sich auf die Entwicklung von Tragschraubern. Focke ist der Erfinder des Hubschraubers. Sein Helikopter Fw 61 startete schon 1936 auf dem Bremer Flughafen, vier Jahre vor den Flügen von Sikorsky.

Im Zweiten Weltkrieg entstanden in Fockes neuer Unternehmung, Focke-Achgelis, in Serie der Großhubschrauber FA 223 (14 Stück) und der Tragschrauber “Bachstelze”, der als erhöhter Beobachtungsposten hinter U-Booten hergezogen wurde.

Nach dem Krieg konstruierte Focke im Auftrag der Franzosen ebenfalls Hubschrauber (Focke gilt als der “Großvater” der Alouette) und in Deutschland u.a. Omnibusse mit Gitterrohrrahmen (auch für Borgward). Nach einer Zeit in Brasilien, dort entwickelte er den Hubschrauber Bejaflor, kam er im August 1956 nach Bremen und zu Borgward zurück. Im Auftrag von Carl F.W. Borgward konstruierte und baute er mit seinem Team den Borgward-Kolibri, einen dreisitzigen Helikopter mit 260 PS-Motor.

Die Verkaufsaussichten für den ersten bundesrepublikanischen Hubschrauber waren äußerst günstig, die Entwicklungskosten hielten sich Dank Fockes Umsicht in Grenzen und die Flugeigenschaften des erstmalig am 1. Juli 1958 freifliegenden Fluggeräts waren gut. Der ”Sanierer” der Borgward-Gruppe, Dr. Johannes Semler, brach das Projekt ab, obwohl die Serienfertigung des “Volkshubschraubers” innerhalb einiger Monate möglich gewesen wäre. Die beiden flugfähigen Hubschrauber wurden verschrottet.

Focke zog sich enttäuscht auf sein Altenteil zurück und widmete sich in seinem eigenen Windkanal der Forschung.

Focke